Donnerstag, 28. Dezember 2017




denkst du noch
an den fasan
siehst du ihn

in der pflanzung
aber
er kam direkt
aus der wildnis
mit der wildnis
im spiel




Mittwoch, 20. Dezember 2017




spuren


worte an dich
von dem was du besagst

mit ihren dünnen
ausgebreiteten
schwingen
abgewonnen
der ständigen
verfinsterung des sprechens

gäbe es eine verborgene skala

wie unverdrossen
wir am boden knien
das verlorene
deuten und deuten




Montag, 11. Dezember 2017




vogelfrei


hände
die nichts tragen können
doch
sich öffnen
wie schalen

halme sammeln
an nestern flechten
gegen wind
und nacht
und wetterlagen

nur dieses
daß sie sich einmal nicht
an die richtige reihenfolge hielten
flügel spielten
entkamen





Freitag, 1. Dezember 2017




so oder so


knorpelunwesen kriegereien vulkanische
finsternisse wahrheit lüge heil oder schaden
was liegt daran
wir wissen nicht was wir tun
und wir wissen nicht was tun

dessen ungeachtet
machen leben und tod wieder
die leinen los gehn auf große fahrt
und wir sind an bord
oder winkend am kai stehengeblieben




Freitag, 24. November 2017





auch eine art
auf der welt zu sein
als krakelei
schwarz auf weiß
dimensionen zwei
nicht viel zu erkennen
durchweht
durchschienen
durchschaut




Sonntag, 19. November 2017





weißer mond
geisterwesen
nebel schwebt ein
heute war dein tag
die sonne schien
auf halber höh
die wolken legten sich
auf die seite
ließen mich passieren
ließen mich passieren
nun ist es schon dunkel
nebel schwebt ein
weißer mond




Dienstag, 7. November 2017




och lilla bäcken mot älven rinner
och älven rinner mot stora hav
och aldrig någonsin mer du finner
var lilla bäcken blev av

allan edwall



landschaft


so stellen wir den augenblick
wie einen schild
vor die ewigkeit
(oder was wir gerade noch
dafür hielten)

und gehen und gehen
bis andere wege
die schritte neu erfinden

die baumkronen erlöschen nun
widerstandslos
die schon durchlebten erhebungen -
eine grauheit
am horizont

kann sein du bist jetzt weit
über das sonnensystem hinaus

schreiben weil es da einmal etwas
gegeben haben muß




Mittwoch, 1. November 2017




vor und zurück



die jahre werden ungewisser
es sind schon so viele andererseits

drehen sich wie besessen vor
und zurück die zeiger der uhren

die äpfel fallen vom baum
um wirklich äpfel zu werden

plötzlich kannst du so fremd sein
daß du dir selbst die hand geben mußt

selten ein faden – doch zweifellos
gehört er zu etwas verknüpft gewoben




Dienstag, 24. Oktober 2017




formel


drei umläufe sollst du
leben als wind

dein blick wird gemörselt werden
zu staub

er dreht sich am himmel
im dunkelsten blau

in den blättern das rascheln
das wir gewesen sind




Sonntag, 15. Oktober 2017




fahrt


engel brennen hier manchmal
die nächte hindurch

es ist die intensität der lettern
die sie hervorhebt

was die scheibenwischer auswaschen
verschwommene dörfer

und am ende sind die fenster
nicht aufzukriegen

ich kann niemanden mitnehmen
ich bürge nicht für mich
ich weiß nur im wald werden meine gedanken
die des waldes




Sonntag, 8. Oktober 2017




sand


heilige bücher
wissen von wüsten

von aufgaben

wie sie ihre haufen
hierhin und dahin schieben

geschichten vom nichtbleiben
geben zu ahnen

wie es ist
nichts zu tun zu haben

mit den begierden die wüsten kamen
gerade recht

zurückzulassen
was nicht zu tragen

sich nur noch wundern
weder soll noch haben





Samstag, 30. September 2017




krumen


gehn auf einer erde
unsichtbar
eins dem andern
und was uns zeichnet
zur seite
reden durch das
was sich nicht erweist
reichen einander
geisterblumen




Dienstag, 26. September 2017





ein neuer tag kam
mit neuen unmöglichkeiten
er ließ mich kriechen
auf allen vieren

und die frage war würde
es immer so bleiben
doch am abend kam ich
halbwegs auf die füße

ein neuer tag kommt
sollte er denn kommen
und ein weniges läßt sich
vielleicht noch vermeiden

vom leiden




Freitag, 22. September 2017




abgestoßen meine kanten
von all dem rollen
nun bin ich rund
und habe an umfang
zugenommen
man könnte es
als wachsen bezeichnen
abwärts geht es
in immer schnellerer fahrt
vielleicht wird aus mir doch noch
eine lawine




Samstag, 16. September 2017




wie könnte ich es sagen


geh aus mit mir laß uns noch einmal
unser seltsames zustandekommen
begehen aus dem nichts
unser plötzliches einssein
aus dem vielen das plötzlich
nichts war

nun geht es langsam wieder ein
in uns zwei nach allen seiten
hin vermischt mit dem was ist

expansio contractio das ganz große herz
hat seinen schlag getan und hält nun inne
sperrangelweit




Montag, 11. September 2017





über das geschiebe der letzten eiszeit
kriechen dunkle wolkenmassen
es regnet sich ein
der letzte phlox beugt sich
den gegebenheiten
ich stelle mir vor
er atmet auf - von nun an darf er
seine farben innen tragen




Dienstag, 29. August 2017




was soll sein


nach lebenslänglicher luftguckerei
die augen fest an den boden geheftet
der unten ist

die uhren lassen sich nicht stören
sie haben gleich mir alle hände voll
zeit die welt
brennt weiter unter ihre
mütterlichen kontinentalplatten nimmt sie
alles geschaffene leicht zurück

so bin ich teil
dessen was einmal
eintrat
in mein haus
aus dem unmöglichen heraus




Dienstag, 22. August 2017





manchmal frage ich noch
wer du bist
lieber antworte nicht
du bist die antwort




Samstag, 12. August 2017





niemandem reicht
sein eines leben –
blumen stehen
in ihrer schönheit
und stille –
könnte es meine
eigene sein
denn der himmel
redet dunkel alles
wirbelt wie ohne existenz






Mittwoch, 2. August 2017




wild


aufmerksam im
da

der nacht zugewandt

wartet nicht
treibt

im voraus zu
auf das andere

durch sich gesehen
wie nie

hülle
aus schwachstrom

strich
im blick